Informationen
zu Herdenschutzhunden
Bevor Sie
einen Herdenschutzhund in Ihrem Haushalt aufnehmen, sollten Sie
beachten, dass Herdenschutzhunde, insbesondere diejenigen, welche
direkt aus deren Ursprungsländern kommen, als Haustiere in
unseren Breiten durchaus als Modeerscheinung zu betrachten sind.
Zumindest die aus Ländern Osteuropas und dem asiatischen Raum
stammenden Rassen sind vermehrt in unseren Haushalten anzutreffen.
Dabei tun sich für die Halter häufig ungeahnte
Probleme auf, deren Lösung mehr als die Erfahrung in Haltung
und Umgang mit einer anderen Hunderasse erfordert.
Die
Haltungsformen und Aufgaben in den Ursprungländern der
Herdenschutzhunde unterscheiden sich ganz wesentlich von den
Möglichkeiten in unserem Umfeld. Die besonderen Eigenschaften
der Herdenschutzhunde wie territoriales und personenbezogenes Wach- und
Schutzverhalten, Selbständigkeit und eigener
Entscheidungswille sowie ausgewiesene Unbestechlichkeit und
natürliche Härte, lassen es nicht zu, sich
ungenügend mit den Eigenschaften der Herdenschutzhunde zu
beschäftigen und diese zu ignorieren. In Kenntnis dieser
Eigenschaften sollte es für jeden Interessenten Pflicht sein,
genauestens die eigenen Möglichkeiten zu Haltung, Erziehung
und Umgang mit diesen Hunden zu prüfen.
Nicht
artgerechte Haltungsformen, wie das Ausschließen aus seinem
Rudel durch Zwinger- oder Kettenhaltung, wirken sich katastrophal auf
das Wesen des freiheitsliebenden Herdenschutzhundes aus; schwere
Einbußen bezüglich des Vertrauens und der Bindung zu
seiner Familie sind die Folge.
Als
ursprünglicher Arbeitshund braucht der Herdenschutzhund
ausreichende und sinnvolle Beschäftigung. Hier bietet sich
neben ausgedehnten Spaziergängen und Aktivitäten mit
seinen Menschen natürlich das Bewachen des eigenen
Grundstücks an. Wird der Herdenschutzhund unterfordert und
damit unausgeglichen, darf man sich über
Verhaltensauffälligkeiten (wie bei jeder anderen Rasse auch)
nicht wundern.
Durch die
hohe Selbständigkeit dieses Hundetyps ist von der klassischen
Hundeausbildung, wie sie auf vielen Hundeplätzen leider noch
immer praktiziert wird, absolut abzuraten. Vor allem ist von einer
Ausbildung als Schutzhund Abstand zu nehmen. Herdenschutzhunde haben
von Natur aus einen hohen Schutztrieb, der durch eine
Schutzhundausbildung nicht noch verstärkt und somit
unkontrollierbar gemacht werden sollte.
Auch wenn
es sehr wohl einzelne Individuen der jeweiligen HSH-Rassen gibt, die in
einer bestimmten Entwicklungsphase durchaus in der Lage sind,
erfolgreich z.B. die Begleithundprüfung zu absolvieren - wem
der Sinn nach einem "perfekt funktionierenden" Vierbeiner steht, sollte
von der Anschaffung eines Herdenschutzhundes Abstand nehmen.
Man sollte
immer im Hinterkopf behalten, dass Herdenschutzhunde seit jeher
selbständig arbeitende Hunde mit einem ausgeprägten
Bedürfnis sind, ihre Unabhängigkeit auszuleben. Sie
wurden nicht dafür gezüchtet, als reine
Befehlsempfänger dem Menschen aufs Wort zu gehorchen, so dass
bedingungsloser Gehorsam wie bei einem ausgebildeten Deutschen
Schäferhund einfach undenkbar ist.
Dennoch:
eine Gehorsamsausbildung ist notwendig und unbedingt ratsam. Die
Erziehung ist zwar nicht einfach, und man benötigt mehr
Konsequenz und Einfühlungsvermögen als für
die meisten anderen Rassen, trotz allem lässt sich auch einem
HSH sehr wohl alltagstauglicher Gehorsam beibringen.
Um mit
einem Herdenschutzhund harmonisch und ausgeglichen zusammenzuleben und
ihm durch ein eindeutig definiertes Ranggefüge soziale
Sicherheit zu geben, ist eine souveräne, richtunggebenden
Bezugsperson extrem wichtig. Wird dies dauerhaft gelebt und
praktiziert, kann ein Rebellieren und Infragestellen der Rangordnung
unterbunden werden. So können Grenzen klar gesetzt und der
Gehorsam gefördert werden - jedoch sollte genügend
Freiraum für eigenständige Handlungen
eingeräumt werden.
Herdenschutzhunde
sind nicht - wie es irrtümlicherweise immer wieder vorkommt -
mit Hütehunden zu verwechseln.
Die
primäre Aufgabe der Herdenschutzhunde besteht im Schutz und in
der zuverlässigen Verteidigung der ihnen anvertrauten Herden -
sowohl gegen vierbeinige als auch gegen zweibeinige Eindringlinge.
Viele Herdenschutzhunde leben alleine mit den Herden, so dass
für diese Arbeit ein selbstbewusster Hund vorausgesetzt wird,
der zu eigenständiger Arbeit fähig ist. Da
Beutegreifer bevorzugt in der Dämmerung und in der Nacht
angreifen, ist zu diesen Zeiten der Schutztrieb besonders
ausgeprägt. Diese Merkmale des HSH sind, wie auch seine
exzellenten, stets hellwachen, scharfen Sinne, die ihn jederzeit alles
registrieren lassen, was in seiner näheren und weiteren
Umgebung geschieht, genetisch fixiert.
Der
Schutztrieb und das starke Territorialverhalten gehören zu den
herausragenden Eigenschaften des Herdenschutzhundes.
Grundsätzlich wird alles Fremde innerhalb seines Territoriums
zurückhaltend und misstrauisch betrachtet und bei dem
geringsten Anflug einer Gefahr für sein Rudel verjagt, wobei
die Strategie dieser Hunde eher in der defensiven Abwehr liegt. Das
Territorium des HSH umfasst für gewöhnlich nicht nur
das mit dem Gartenzaun abgesteckte eigene Grundstück, sondern
auch das weitere sichtbare Umfeld sowie häufig besuchte
Plätze und Spazierwege.
Herdenschutzhunde
machen auf den Betrachter oft zunächst einen verschlafenen,
stoischen und phlegmatischen Eindruck; Hyperaktivität ist
ihnen generell fremd - statt dessen bestechen sie durch gelassene Ruhe.
Dies soll jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass
der eben noch auf einem strategisch günstigen Platz scheinbar
dösende Hund sich in Sekundenschnelle zu einem abwehrenden,
imposanten und reaktionsschnellen Schutzhund verwandeln kann, wenn er
meint, dass die Situation dies erfordert. Seinem
ursprünglichen Aufgabengebiet angepasst, sondiert ein guter
Herdenschutzhund erst die Lage, bevor er bei einer für seine
Schutzbefohlenen sich darstellenden Gefahr abwehrt. Der
ökonomische und sinnvolle Einsatz seiner Kräfte ist
maßgebend für den effektiven Schutz der ihm
Anvertrauten.
Es lag und
liegt absolut nicht im Interesse der Hirten, einen Hund
heranzuzüchten, der bei jeder sich ergebenden Gelegenheit
Feinden hinterher jagt, mit seinen Energien nicht haushält und
seine Herde aus den Augen lässt - denn an die könnten
sich in diesem Moment neue Feinde heranwagen. Durch
unsachgemäße Aufzucht, einem sozial nicht intakten
und seinem Wesen nicht entsprechenden Umfeld können sich
derartige Verhaltensweisen jedoch mehr oder weniger stark
ausprägen. So gibt es nicht wenige Herdenschutzhunde, die mit
Leidenschaft jagen, allem hinterherlaufen, was sich bewegt und sich
somit aus dem Umkreis ihres Rudels bzw. ihrer Herde entfernen. Durch
ihre hohe Selbständigkeit und Freiheitsliebe kann es dann eine
geraume Zeit in Anspruch nehmen, bis sie wieder ihr Rudel / ihre Herde
aufsuchen. Hier liegt es am Besitzer, seinen Hund unter Kontrolle zu
behalten, sei es durch Leinenzwang, der besonders in von Zwei- und
Vierbeiner frequentierten Gebieten leider oft genug
unumgänglich ist, als auch durch den nicht immer einfachen und
langwierigen Aufbau eines Vertrauensverhältnisses sowie
entsprechendem Training. Dies erfordert vor allem bei Hunden, die
bereits mehrmals ihren Besitzer gewechselt haben, ein besonderes
Einfühlungsvermögen, Geduld und Respekt. Dann hat man
jedoch einen wunderbaren Begleiter an seiner Seite, der durch seine
Ursprünglichkeit, seine hohe Selbständigkeit, sein
feinfühliges Wesen sowie seine ausgeprägte
Persönlichkeit besticht.
Da
Herdenschutzhunde gewöhnlich ihren Aufgaben sehr
selbständig nachgehen, unterscheidet sich ihre Ausbildung
erheblich von der anderer Rassen. Ein Hütehund reagiert auf
die Anforderungen einer Ausbildung mit großem Lernwillen.
Anders sieht es bei den Herdenschutzhunden aus. Sie folgen bei der
Wahrnehmung ihrer Aufgaben ausschließlich ihrem Instinkt. Aus
diesem Grund sollte man ihre Entscheidungsfreude nicht zu stark
einschränken, denn für ihr intelligentes Verhalten
benötigen sie auch Selbstsicherheit und
Eigenständigkeit. Einem Herdenschutzhund wird man niemals den
gleichen Gehorsam anerziehen können wie zum Beispiel einem
Deutschen Schäferhund.
Quelle
und weitere Informationen:
Tier
und Mensch Hilfe für Herdenschutzhunde e. V. (www.herdenschutzhundhilfe.de)
Pro
Herdenschutzhunde e.V. (www.pro-herdenschutzhunde.de)
Russische
Herdenschutzhunde
Kaukasischer
Owtscharka
Größe:
62 - 85 cm
Diese Rasse
stammt aus dem Kaukasus und den angrenzenden Gebieten. Auch wenn
aufgrund des weiträumigen Herkunftsgebietes das
Äußere der Kaukasen sehr vielfältig ist,
werden alle regionalen Schläge unter der Rassebezeichnung
Kaukasischer Owtscharka zusammengefasst. Früher wurde vor
allem zwischen zwei Kaukasen-Typen unterschieden: den
hochläufigeren, schmaleren Steppenkaukasen und den schwereren
und eher gedrungen wirkenden Bergkaukasen. Da die
Übergänge heutzutage durch Kreuzungen zunehmend
fließend sind, ist eine solche Einordnung oft nicht mehr
möglich. Entsprechend ihres Zuchtstandards kann diese Rasse
sowohl langes, mittellanges wie auch kürzeres Fell aufweisen.
Die gleiche Vielfalt findet sich in den Fellfarben: von weiß,
beige über erdfarben und hellen bis rostfarbenen
Tönen bis hin zu den unterschiedlichsten Grautönen
mit und ohne Abzeichen, gestromt und gescheckt ist alles erlaubt.
Owtscharki
sind keine Hunde für jedermann. Warum? Die Antwort ist leicht:
Das
ständige Training kostet überdurchschnittlich viel
Zeit. Sie sind stark, dickköpfig und mögen nicht
unbedingt alle Menschen. Ohne solides Training können sie
aggressiv gegenüber Menschen und Hunden werden. Hundeerfahrung
ist für die Haltung dieser Rasse unverzichtbar.
Kaukasen
bellen laut und haaren heftig. Die Ausbildung muss
sorgfältiger als bei anderen Rassen durchgeführt
werden und trotz der guten Lernfähigkeit muss die Einordnung
des Hundes immer wieder aufs Neue trainiert werden.
Körperliche Kraft, Einfühlungsvermögen und
Durchsetzungsvermögen sind notwendig, um diese
kräftigen und willensstarken Hunde sicher zu führen.
Der
ausgeprägte Schutztrieb kann bei falscher Haltung oder
Erziehung den Hund zu einer Gefahr für seine Umwelt werden
lassen. Fremde werden auf dem Grundstück nur im Beisein des
Hundeführers geduldet, deshalb sollte sichergestellt sein,
dass das bewachte Grundstück nicht irrtümlich von
Fremden betreten werden kann.
(Quelle:
Kaukasischer Owtscharka Club e.V.)
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